English version below

Die Fotos stellen eine Auswahl der bereits gesammelten Träume und Portraits dar.
Textauszug aus „Träume | Dreams“ von Vanessa Nicette (erscheint vorraussichtlich im Februar 2022):

„Leidenschaft 

In der Grundschule erzählte mir eine Freundin, dass sie in ihrem Traum zu ihren Eltern gesagt hatte: „Es ist doch egal, es ist eh nur ein Traum.“ Das war der Moment, als sie von Piraten angegriffen wurden und ihre Eltern sich einen Schlachtplan überlegen wollten.

Bis heute weiß ich nicht, was ich davon halten soll. „ … nur ein Traum“. Irgendetwas störte mich damals daran, und es stört mich auch heute noch. Nahm das ihrem Traum nicht die Magie – das Wunderbare, das Verrückte, das Abenteuer – dieses Gefühl, dass alles real ist? 

Vermutlich war mein kindliches Ich auch ein wenig verletzt, weil sie mit diesem Wort „nur“ Träume, die mich heute noch so intensiv begleiten, als unwichtig, nicht echt darstellte.

Über meine Erfahrungen und Erinnerungen im Zusammenhang mit Träumen könnte ich ewig schreiben: von sich wiederholenden Kindheitsträumen, die jedes Mal so real schienen, über meine 

„Forschungen“ als Teenager, zu Träumen bei Vollmond mit zwei Probandinnen (eine davon war ich), bis hin zu schier unendlich langen Gesprächen, teilweise mit wildfremden Menschen.

In Träumen bewegen sich Zeit und Raum in neuen Dimensionen, sie lassen uns in andere Welten eintauchen. Wir erleben Abenteuer, schreckliches, sogar langweiliges – ohne unseren Schlafplatz zu verlassen. Im Traum werden die absurdesten Dinge von Menschen, die sonst alles hinterfragen, für bare Münze genommen. Unlösbare Aufgaben meistern wir mit Bravour, wobei uns die simpelsten Dinge größte Anstrengungen abverlangen.

Selbst im realen Leben hat jeder Traum seine Zeit: Es gibt Menschen, die ihre Träume präsent haben, andere, die sich nie an ihre Träume erinnern und wieder andere, die sich plötzlich an einen Traum erinnern, obwohl sie es jahrelang nicht konnten.

Träume sind verzwickt. Sie löschen sich aus unserem Gedächtnis, obwohl wir sie eben noch im Kopf durchgespielt haben oder sie tauchen wie aus dem Nichts auf. Es gibt sogar diese Momente, in denen man unsicher ist, ob es sich bei einer Erinnerung um einen Traum oder gar ein reales Erlebnis handelt.

Meine Liebe zu Träumen, hat mir Geschichten von Menschen erschlossen, die ich sonst niemals erfahren hätte. Ich kenne kleine und große Geheimnisse zu den Träumen, welche ich bereits gesammelt habe, und darüber hinaus auch zu Träumen, die mir im Austausch anvertraut worden sind. Es ist wunderbar, welches Vertrauen mir die Menschen bei diesem Projekt schenken.

Für mich ist „Träume“ ein interdisziplinäres Projekt und ein Zeitdokument unserer Gesellschaft. Es sind die Träume und die intimen Portraits, die den Zeitgeist auf eine ganz persönliche und surreale Art und Weise festhalten.“

 

The photos represent a selection of the dreams and portraits already collected.
Text excerpt from „Träume | Dreams“ by Vanessa Nicette (expected to be published in February 2022):

„Passion 

In elementary school, a friend told me that in her dream she had said to her parents, „It doesn’t matter, it’s just a dream anyway.“ That was the moment when they were attacked by pirates and her parents were coming up with a battle plan.

To this day, I don’t know what to make of it. “ … Just a dream.“ Something bothered me about it then, and it still bothers me now. Didn’t that take away the magic from their dream – the wonderful, the crazy, the adventure – that feeling that it was all real? 

Probably my childish self was also a little hurt because she used that word to portray „only“ dreams, which still accompany me so intensely today, as unimportant, not real.

I could write forever about my experiences and memories related to dreams: from recurring childhood dreams that seemed so real each time, to my „research“ as a teenager, to dreams under the full moon with two subjects (one of whom was me), to seemingly endless conversations, some with complete strangers.

In dreams time and space move in new dimensions, they let us dive into other worlds. We experience adventures, terrible, even boring things – without leaving our sleeping place. In dreams, the most absurd things are taken at face value by people who otherwise question everything. We master unsolvable tasks with flying colors, while the simplest things demand the greatest efforts from us.

Even in real life, every dream has its time: there are people who have their dreams present, others who never remember their dreams, and still others who suddenly remember a dream even though they couldn’t for years.

Dreams are tricky. They erase themselves from our memory even though we have just gone through them in our minds, or they pop up out of nowhere. There are even those moments when you are unsure if a memory is a dream or even a real experience.

My love of dreams, has opened up stories of people to me that I would never have known otherwise. I know small and big secrets about the dreams I have already collected, and moreover, about dreams that have been entrusted to me in exchange. It is wonderful the trust that people give me in this project.

For me, „Dreams“ is an interdisciplinary project and a contemporary document of our society. It is the dreams and the intimate portraits that capture the zeitgeist in a very personal and surreal way.“